Neulich…

… fuhr ich mit der Bahn, wohin ist egal. Ich ergatterte einen Platz am Fenster, etwas ruhiger gelegen, als ich so in meinem Sitz lümmelte und aus dem Fenster schaute, sah ich einen Hasen der hakenschalgend über ein abgeerntetes Feld lief … leichtes Tippen auf meiner Schulter reißt mich aus der Träumerei, ich möchte bitte meine Fahrkarte zeigen, ich hatte sie in meiner Mantelinnentasche und zeigte sie vor.
Der Schaffner ging befriedigt weiter und ich wendete mich meinem Kaffe vor mir zu, ich hole zwei Päckchen Zucker hervor um deren Inhalt in das heiße Getränk zu geben. Diese verflixten Teile wollten sich nicht durch aufreißen öffnen lassen, da blieb nur noch die Schere meines treuen Taschenmessers.
Ich ging ein wenig mit dem Kaffe spazieren und studierte das Schild im Gang, auf dem die Bahnstrecken verzeichnet sind. In die Ecke von dem Schild befand sich ein kleiner neonroter Zettel, wie ihn viele Autobesitzer kennen „Wir wollen ihr Auto kaufen“ … ob sie hier viele Kunden finden?
Ich nahm einen kräftigen Schluck aus meinem Becher als plötzlich ein Ball an mir vorbeiflog und gegen das Bahnplakat prallte, ich folgte mit den Augen dem folgenden Weg des Balles durch die Sitzreihen, da fällt mir ein Marmeladenbrot auf, welches auf dem Boden liegt und seinen süßen Belag auf dem Boden verteilt hatte. Ich suchte nach dem netten Schaffner von vorhin um ihm Bescheid zu sagen. Er besorgte einen Eimer Wasser und begann zu wischen.
Ich setze meinen Weg durch den Waggong fort und gelangte zum Boardrestaurant. Wie schon sooft fielen mir diese urhässlichen Plastikblumen auf den Tischen am Rand. Als ich das Regal hinter dem Tresen studierte, sah ich, dass die heiße Schokolade direkt neben dem Salz stand, ich fragte mich wer so sortiert und ging dann auf meinen Platz zurück und verbrachte die restliche Fahrt mit einem guten Buch in der Hand.

… spielten wir ein Spiel in dem es darum ging sich viermalvier Wörter an bestimmten Positionen zu merken, die Wörter waren Zug, Hase, Karte, Zucker, Schere, Schild, Zettel, Auto, Becher, Ball, Plakat, Brot, Wasser, Tisch, Regal und Salz.

zweite Grabschrift eines Totengräbers

„Wer andern eine Grube gräbt“ –
Dies Wort mag trefflich sein;
Doch: wer sie aus der Grube hebt,
Auch der fällt meist hinein.

Ernst Freiherr von Feuchtersleben (1806-1849)

Grabschrift eines Totengräbers

Der Mann hat achtzig Jahr gelebt,
Und scharrt manchen ein;
Wer andern eine Grube gräbt,
Fällt endlich selbst hinein.

Peter Wilhelm Henslein (1742-1779)

Stanislaw Lem “Solaris”

Ich habe vor kurzem Stanislaw Lem “Solaris” zu Ende gelesen.

In dem Buch geht es vordergründig um einen Solaristen, ein Wissenschaftler, der sich der inzwischen eigenständigen Wissenschaft über den Planeten Solaris verschrieben hat. Er kann nach vielen Jahren Studium endlich zu seinem Studienobjekt fliegen und ersetzt dort einen kurz zuvor gestorbenen Kollegen in der Station die ständig im Orbit dieses Planeten schwebt. Auf der Station gibt es nur drei Menschen, Wissenschaftler.
Der Planet scheint von einer schwarzen Masse fast vollständig bedeckt zu sein, sie ist wohl die meiste Zeit eine Art zäher teerartiger Ozean, teilweise und mit einer gewissen Regelmäßigkeit verändert sich die Form dieses Ozeans, zumindest an der Oberfläche. So zumindest meine Vorstellung aus Lems Beschreibung des ganzen. Diese Formen, verändern sich manchmal ständig, manchmal bleiben sie in einer Form für längere Zeit bestehen, mal gleichen sie irgendwie gothischen Bauwerken, aber zum Großteil sind die gebildeten Formen mit nichts auf der Erde bekanntem vergleichbar.
Der Planet ist nun schon seit vielen Jahren bekannt und die Wissenschaftler haben eine Menge interessanter Dinge dort gesehen und festgehalten, aber irgendwie haben sie nie wirklich was über diesen Ozean herausbekommen, teilweise scheint er auf die Menschen zu reagieren ob er denken kann ist unklar. Einige Wissenschaftler liessen ihr Leben.
Nun wurden kurz vor dem Tod des Wissenschaftlers neue Versuche gemacht und seit dem gehen „Geister“ in der Station um. Diese Wesen sind anscheinend dem Gedächtnis der anwesenden Wissenschaftler entnommen. Sie müssen nicht schlafen und nicht essen, können sich aber auch nicht von den Personen zu denen sie gehören, ohne weiteres entfernen. Wenn ich mich nicht irre hat jeder Wissenschaftler einen „Geist“ gleichzeitig.
Anfangs versucht unser Neuankömmling seinen „Hauptgeist“ zu töten, da er Angst vor ihm hat, wahrendessen versucht er ihre Herkunft zu ergründen. Jedesmal ist der Geist, seine tote Freundin oder Ehefrau, ich weiß es nicht mehr genau, nach kurzem wieder bei ihm. Nach einiger Zeit gewöhnt er sich an sie und möchte sogar mit ihr zusammen auf die Erde zurückkehren. Obwohl der Ursprung dieser Geister nie wirklich geklärt wird, ist doch klar das sie irgendwie mit dem Ozean zusammenhängen und somit nicht weit entfernt von Solaris überleben können.

Ich hatte so einige Probleme mit dem Buch, ich habe es auch zwischendurch immer wieder mal weggelegt, was man unter anderem daran merkt dass ich viel nicht mehr genau weiß. Das größte Problem hatte ich mit diesen recht ausführlichen Beschreibungen der Gebilde des Ozeans, bei denen zum Schluß im Prinzip immer gesagt wurde das sie eigentlich mit nichts auf der Erde zu vergleichen sind. Ich bin ein sehr visueller Mensch, wenn ich etwas lese, entstehen vor meinem geistigen Auge Bilder, so dass ich nachfolgende Dinge besser verstehe oder nachvollziehen kann. So hatte ich nicht nur prinzipiell schon Probleme, sondern jedes Mal wenn ich endlich ein gerade so vorstellbares Bild hatte, wurde es durch diese Bemerkung zerstört.
Vielleicht bin ich in meinem Denken noch nicht soweit. Aber ehrlich gesagt gefällt mir das Buch nicht wirklich. Ich hoffe ich kann es in ein paar Jahren mit mehr Erfahrung und mehr Weisheit in die Hand nehmen und mich daran erfreuen. Lem zählt ja irgendwo zu den modernen Philosophen und ich würde mich doch gerne besser mit seinem Werk auseinandersetzen können.

Grabschrift auf einem Lügner

Hier ruht ein Wahrheitfreund;
Wenn dies dir Leser seltsam scheint,
So wisse nur, man schrieb es hier,
Damit die Grabschrift lügt wie er.

Ignaz Franz Castelli (1794-1862)

Die liebe BVG

Nach einer ganzen Weile mal wieder ein richtiger Eintrag von mir … freut euch ^^ (auch wenn er nicht so nett ist).

Eben kam ich von Arbeit und dachte mir ich probiere mal einen anderen Heimweg aus, theoretisch sollte er weniger lange dauern und ich wollte halt gerne nach Haus. Ich stieg also in die S2 (ganz schön warm hier drin *Mantel auf mach*), war ca. 25 Minuten unterwegs, dass sah doch schonmal recht gut aus, normal brauch ich etwas mehr als eine Stunde für den Weg von Tür zu Tür, bis dahin habe ich also 35 Minuten gebraucht. Nun noch auf den Bus warten … ah der kommt in zwei Minuten, das ist ja sehr schön … noch ca. 10 Minuten und ich bin zu Hause *freu* … zu früh gefreut -.- … der Bus soll theoretisch alle zehn Minuten kommen, ich habe keinen Bus in meine Richtung gesehen, nur drei Busse in die Gegenrichtung und zweimal eine Linie die nur alle 20 Minuten angefahren wird … ich habe also eine halbe Stunde auf diesen blöden Bus gewartet, es gibt kein Bushäuschen an der Stelle, es ist sowas von kalt draußen und dank der vollkommen überheizten S-Bahn sind meine Füße inzwischen gefroren und mein Auge tut dank der Kälte ziemlich weh … nach der halben Stunde warten mache ich mich zu Fuß auf den Weg (ihr kennt das sicher, man glaubt dann immer „der Bus müsste doch gleich kommen“ und mag nicht losgehen), nach einer weiteren viertel Stunde in der Kälte war ich dann auch schon wieder im Warmen… Nun meine Frage: Womit rechtfertigt die BVG (und die Deutsche Bahn) ihre Preise? Ausser Fehlbeschriftung an den Gleisen, ständigem Warten (drei vier, vielleicht auch mal fünf Minuten sind für eine zehn Minutenlinie mal okay) und den plötzlichen Unterbrechungen des S-Bahn-Verkehrs, weil sich überraschend durch den, seit zwei Wochen angekündigte, Schneefall eine Flocke quer über die Gleise gelegt hat, begegnet mir auch auf freundliche Nachfragen regelmäßig eine sehr harsche Antwort, okay das kann man eigentlich nicht verallgemeinern, vielleicht habe ich nur immer Pech mit den Leuten die ich anspreche.

Sorry ich bin gerade etwas sauer, wie man vielleicht merkt.

Grabschrift auf einem kleinen Dieb

Die Asch‘ eines Diebes liegt hier in diesem Krug,
Ihn ließ der Senat seines Städtchens verbrennen;
Der Mensch hat noch nicht gestohlen genug,
Um seine Unschuld beweisen zu können.

(Ignaz Franz Castelli 1781-1862)

Karriere

Er stieg von Amt zu Amt mit stetem Glück,
Verkehrte höflich selbst mit Erzhalunken,
Wich freundlich hier und freundlich dort zurück –
Und so ist er gemach emporgesunken.

(Otto Ernst 1862-1926)

Grabschrift

Hier unter diesem Stein liegt Lysimon, der Rat
Und tut noch jetzt, was er sein ganzes Leben tat;
Hier unter diesem Stein schläft Lysimon der Rat.

(Heinrich Wilhelm von Stamford 1740-1807)

Einem Volksredner

Unmöglich wars, ihn je zu unterbrechen,
Sein glattes Mundwerk ging in einem fort;
er sprach und sprach und würd heut noch sprechen
Wenn nicht der Tod entzogen ihm das Wort.

(Max Kalbeck 1850-1921)

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