Heute im Tutorium

dreiviertel drei: Tutorium Einführung in die Philosophie, wir fingen an mit den wesentlichen Punkten des Lebens von Pico della Mirandola und der Einordnung seines Textes „Über die Würde des Menschen“, irgendwie sind wir dann kurz zu der Begrifflichkeit von Gott abgeschweift (ein recht gutes Buch dazu soll Gershom Sholem „Von der mystischen Gestalt des Gottes“ sein, ich kenne es (noch) nicht). Tja das ist Philosophie ^^
Ich habe den Text von Pico nun so verstanden, das das Tolle am Menschen ist, das er sich entscheiden kann, welchen Spheren er für sein Leben wählt (ich denke er kann auch noch in seinem Leben seine Wahl ändern), er kann entweder auf nur auf seine körperliche Bedürfnisse achtend eine Pflanze sein oder ein nach innen gekehrter Philosoph, der nicht so vollkommen von seinen Sinnen abhängig, urteilt und unterscheidet. Die göttlichsten sind die Liebenden.

Mir kommen bei der Disskusion auch ein paar Fragen, vielleicht mag jemand zusammen mit mir darüber nachdenken:
Warum wirken soviele philosophische Texte so egoistisch/egozentrisch?
-> Weil sie zum Großteil von Männern verfasst wurde? *ketz*
-> Weil wir ja nur von uns ausgehen können, da wir nicht das Innere, zum Beispiel eine Hundes sehen? Bzw. nie vollkommen unbefangen von Außen beobachten können?
-> Weil wir Menschen prinzipiell egoistisch sind? (vielleicht nichtmal egoistisch gegenüber anderen Menschen aber irgendwie allem anderen gegenüber)
-> Und wieso passen meine Fragen eigentlich nie zu der aktuellen Disskusion?

Nach dem Tutorium bin ich dann zwei Stationen mit der U-Bahn, zur dem Tutorium zugehörigen Vorlesung gefahren, vor mir ein paar Mitphilosophen, die noch ein wenig weiter philosophieren und direkt neben ihnen zwei Mädels die sich auf den ersten Blick nicht in höheren Bildungsebenen zu bewegen scheinen. Diese Einschätzung wurde gestützt als die erste ihren Mund auftat:
Mädel1: „Eh weißu noch, wie Blubb ihren Bruder niedergestochen hat? Da war ich voll dabei, man.“
Mädel2: „Hassu Feuerwehr gerufen?“
Mädel1: „Ne, hab reingetreten.“

… so ist Berlin. Eben noch in philosophischen Höhen, sich dem Himmel zuwendend und im nächsten Augenblick so mit Gewalt und Ignoranz von pflanzlichen Tieren der Kategorie Mensch konfrontiert. Ich glaube wir dürfen gar nicht in den Himmel abheben … was soll den sonst aus dem Rest werden?